Wie wichtig ist Abhärtungstraining?
Zu meiner großen Freude findet das sogenannte Abhärtungstraining in immer mehr Dojo Anklang. Vielleicht motiviert durch Videos aus dem Internet wird die Zahl der Anhänger immer größer. Jedoch ist es für viele Karate Ka immer noch ein Tabu Thema, dem man den Rücken zudreht.
Klar, Abhärtungstraining ist in jeder Variante einfach fürchterlich unangenehm! Sei es Makiwara Training, Partnerübungen mit härterem Kontakt, oder das aus dem Goju Ryu bekannte „Sanchin Shime“, bei dem der Partner die Stabilität des Übenden durch Schläge überprüft, alles das ist irgendwie schmerzhaft. Und das soll es auch sein! Denn neben der rein körperlichen Abhärtung, welche gerade bei uns im Westen im Fokus solcher Übungen steht, will man ja vornehmlich den Geist „abhärten“. Es geht hier um den Umgang mit dem Schmerz an sich. Aber warum ist gerade dieser Aspekt so wichtig?
Tanren Ho
Das „schmieden des Geistes“ ist eine Methode die vielen asiatischen Kampfkünsten zugrunde liegt. Verständlich, denn in einer realen Kampfsituation ist es mehr als wahrscheinlich, dass man vom Gegner getroffen wird.
Eine interessante Beobachtung, die ich immer wieder bei unerfahrenen Kampfsportlern mache, ist, dass sie im Sparring (also bei Übungskämpfen) meistens sehr schreckhaft agieren, und dazu tendieren sich abzudrehen oder die Augen zu schließen. Kommt es zum Kontakt durch eine Technik des Partners sieht man in vielen Gesichtern das blanke Entsetzen. Dies liegt vor allem daran, dass sie es nicht gewohnt sind geschlagen bzw. getroffen zu werden. Selbst bei harmlosen Treffern verändert sich ihr Verhaltensmuster nur sehr langsam. Es handelt sich hier um reflexartige Handlungen, die erst im Laufe der Zeit „überprogrammiert“ werden. Dies geschieht vor allem durch viel Wiederholungen und durch die Gewöhnung. Aber auch bei Übenden mit vielen Jahren Kampfsporterfahrung habe ich dieses Verhalten oft gesehen, da in ihrem Dojo grundsätzlich ohne Kontakt geübt und gekämpft wird. Eine Gewöhnung daran, selbstverständlich in einem gesunden Maße, ist aber in einer Kampfsituation von größter Wichtigkeit. Ich habe viele sogenannte „traditionelle Kampfkünstler“ gesehen, die technisch sehr ausgereift waren, aber die sich im Moment der Wahrheit bei den kleinsten Treffern bereits abgedreht haben. Wenn das passiert, ist der Kampf bereits entschieden.
Aber auch die Abhärtung der Waffen des Karate Ka spielt eine wichtige Rolle. Unterarme werden zum Blocken verwendet, Hände sollen die Schlagkraft übertragen können, und auch andere Knochenstrukturen werden wie Werkzeuge eingesetzt. Das Training der Unterarme wird in den meisten Dojo in Okinawa sehr ernst genommen, und Ude Kitae (das Gegeneinanderschlagen der Unterarme mit einem Partner) wird in fast jedem Training ausgeführt. Auch hier geht es wieder darum, die Gliedmaßen an den Schmerz zu gewöhnen, damit man sie unbeschadet als Waffen einsetzen kann.
Bei all diesem „Machoismus“ stellt sich oftmals die Frage nach dem Nutzen solcher Übungsmethoden. Meiner Meinung nach sollte jedes Training dem gewünschten Ergebnis entsprechen. Das bedeutet, das die Auswahl meiner Übungen an das angestrebte Ziel angepasst werden muss, um dieses in optimaler Zeit zu erreichen. Beispielsweise macht es wenig Sinn, kein Kumite zu trainieren, wenn man demnächst bei einem Wettkampf in dieser Kategorie antreten möchte. Wenn es also unser Anspruch ist, dass unsere Uke und Atemi Waza funktionieren sollen, kommen wir um solche Übungen nicht herum.
Wer jetzt Interesse an solchen Übungen hat, aber nicht weiß, wo er anfangen soll, kann sich gerne mit gezielten Fragen per Email an mich wenden. Und wem der Termin für die nächste Original Hojo Undo Ausbildung zu weit entfernt ist, der kann natürlich auch direkt Online in das Thema eintauchen. Hier der Link zum kompletten Kurs:
https://originalti.gumroad.com/l/hojoundo